Was bedeutet Fructosemalabsorption?

Bei der Fruktosemalabsorption kann Fruktose nur begrenzt oder gar nicht aus dem Dünndarm resorbiert werden. In der Folge treten hohe Konzentrationen an Fruktose vom Dünndarm in den Dickdarm über. Dort wird der nicht resorbierte Fruchtzucker von anaeroben oder mikroaerophilen Bakterien aufgenommen und zu Wasserstoff, Kohlendioxyd (Blähungen) und kurzkettigen Fettsäuren osmotische Diarrhö) verstoffwechselt. Die entstehenden Stoffwechselprodukte fallen in sehr hohen Konzentrationen an und werden teilweise resorbiert und abgeatmet.
Wasserstoff ist schon wenige Minuten nach Einsetzen des Fermentationsprozesses in der Atemluft nachweisbar und wird deshalb gerne zur Diagnose einer Fruktosemalabsorption verwendet. (s. Wasserstoffatemtest). Während der entstehende Wasserstoff keine klinischen Beschwerden verursacht, führt die Bildung von Kohlendioxyd zum klinischen Symptom Blähungen und die Bildung von kurzkettigen Fettsäuren zum klinischen Symptom der osmotischen Diarrhö. Demnach sind Blähungen und Durchfälle die Leitsymptome für eine Fruktosemalabsorption. Dabei ist zu beachten dass nur etwa die Hälfte der Patienten mit Fruktosemalabsorption klinisch symptomatisch sind. Das Auftreten von Symptomen ist wesentlich von der Art und Menge der den Darm besiedelnden Bakterien abhängig. Weiters ist das Auftreten von Beschwerden auch sehr davon abhängig, ob es bereits im Dünndarm zu Fermentationsprozessen kommt oder ob diese nur im Dickdarm stattfinden. Der Dünndarm ist in der Regel nur sehr dünn bakteriell besiedelt (< 105 CFU/ml), während der Dickdarm extrem dicht bakteriell besiedelt ist. Dementsprechend werden Fermentationsprozesse im Dünndarm sehr schlecht vertragen, während Fermentationsprozesse im Dickdarm einen physiologischen Prozess darstellen und viel seltener zu Beschwerden führen. Der Kolonozyt ist sogar auf die bei der Fermentation auftretenden kurzkettigen Fettsäuren – insbesondere die Buttersäure – angewiesen. Man nimmt an, dass Verwertungsstörungen von kurzkettigen Fettsäuren (zu geringe Bildung von Buttersäure) ursächlich mit der Entstehung von Colitis ulcerosa und Dickdarmkrebs zusammenhängen.

© 2004 Copyright by cmi - alle Rechte vorbehalten - designed by Klaus Tomasini - optimiert für 1024 x 768