Wasserstoffatemtest

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Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Allgemeines

Der Wasserstoffatemtest oder H2-Atemtest ist eine medizinische Diagnosemethode zur Erkennung von verschiedenen Syndromen des Magen-Darm-Traktes. Er wird eingesetzt bei Beschwerden wie chronischem Durchfall, chronischen oder wiederkehrenden Bauchschmerzen und anderen Beschwerden im Bauchraum. Erkannt werden können etwa die relativ häufigen Syndrome Laktoseintoleranz und Fruktosemalabsorption. Zu beachten ist, das der H2-Atemtest nicht bei genetisch bedingten Erkrankungen, zum Beispiel der angeborenen hereditären Fruktoseintoleranz, eingesetzt werden sollte, da aufgrund der hohen Dosierung des Testzuckers, auch schwere Schädigungen die Folge sein können. Ein angeborener Defekt sollte vor dem Durchführen einen H2-Atemtestes ausgeschlossen werden.

[Bearbeiten] Testprinzip

Der Test beruht auf der Messung der Konzentration des Wasserstoff = H2 in der Ausatemluft. Wasserstoff entsteht bei jedem Menschen durch die bakterielle Zersetzung von Kohlenhydrate (beispielsweise Zuckerstoffe) im Dickdarm. Dieser Wasserstoff wird aus dem Dickdarm in das Blut aufgenommen und über die Lunge abgeatmet. Die Menge des aufgenommenen und anschließend abgeatmeten Wasserstoffs ist abhängig von der Menge der Kohlenhydrate, die in den Dickdarm gelangen. Dieser Umstand wird diagnostisch genutzt: der Proband erhält einen Kohlenhydrat(Zucker)-Trunk (z.B. Laktose oder Fruktose). Der Wasserstoff in der Ausatemluft wird vor und nach dem Trunk gemessen.

Der Kohlenhydrattrunk erreicht nach etwa 15 Minuten den Dünndarm. Der Dünndarm ist normalerweise kaum mit Bakterien besiedelt, so dass hier kein Anstieg der H2-Werte erfolgt. Werden die Kohlenhydrate im Dünndarm nicht resorbiert, erreichen sie nach etwa einer Stunde (die genaue Passagezeit kann durch einen Laktuloseatemtest bestimmt werden, da Laktulose nicht resorbiert wird) den Dickdarm, wo H2 gebildet wird, und über die Atemluft nachweisbar ist.

Der Zucker, der im Dünndarm nicht aufgenommen wurde, erreicht auch beim Nichtbetroffenen zu einem geringen Teil den Dickdarm, so dass ein leichter Wasserstoffanstieg normal ist. Überschreitet der Wasserstoffanstieg nach dem Testtrunk aber einen bestimmten Wert (meist 20 ppm, liegt ein aussagekräftiges Ergebnis vor.

[Bearbeiten] Vorbereitung des Tests

Um ein optimales Ergebnis zu erreichen, sollten bestimmte Regeln in der Vorbereitungsphase des H2-Atemtestes eingehalten werden.

  • Rauchen Sie bitte 8 Stunden vor der Untersuchung nicht.
  • Bitte seien sie nüchtern. Essen und trinken sie nichts während der letzten 8h im Vorfeld des Testes.
  • Am Vorabend der Untersuchung bitte keine Aufnahme von kohlehydratreichen, blähenden Speisen
  • 3 Tage vor der Untersuchung sollten motilitätsfördernde oder motilitätshemmende Medikamente abgesetzt werden (z. B. Motilium, Imodium usw.)
  • Bitte putzen sie nicht die Zähne am Morgen des Testes (je nach Zuckerart empfohlen).

[Bearbeiten] Verhalten während des Testes

  • Bitte Rauchen Sie auch während der Durchführung der Untersuchung bis zur Beendigung (die Untersuchung dauert in der Regel zwei Stunden) nicht!
  • Keine Einnahme von Speisen und Getränken bis der Test komplett durchgeführt ist.
  • Unterlassen sie vermehrte körperliche Aktivität während der Untersuchung.

[Bearbeiten] Testdurchführung

Die Bestimmung der Ausatemluft-Wasserstoffkonzentration in der Einheit parts per million(ppm) erfolgt heutzutage in der Regel mit einem kleinen Handgerät ähnlich einem Alkoholmessgerät der Polizei. Nach einer maximalen Einatmung wird in ein Röhrchen am Gerät alles hineingepustet, was in der Lunge ist. Das Display zeigt die Wasserstoffkonzentration der Ausatemluft in ppm an.

Zunächst wird am nüchternen Probanden der Basalwert gemessen. Danach wird ein in einem Glas Wasser gelöster Zuckerstoff getrunken und alle 10 bis 30 Minuten über 2 bis 3 Stunden eine Messung vorgenommen. Beträgt der Unterschied zwischen Basalwert und maximal gemessenem Wert nach dem Trunk mehr als 20 ppm, weist der Befund auf eine Malabsorption der Testsubstanz. Über den Zeitpunkt des Ansteigs lässt sich außerdem eine pathogene Besiedlung des Dünndarms mit Bakterien sowie die Dauer der Passage vom Magen bis zum Dickdarm erkennen

Je nach gesuchter Beeinträchtigung werden unterschiedliche Zuckerstoffe verwendet. Für jeden Testzucker ist ein neuer Testdurchgang erforderlich.

[Bearbeiten] Hintergründe

Bei einer Laktoseintoleranz fehlt im Dünndarm eine bei uns im europäischen Raum eher übliche, ausreichende Produktion des Enzymes Laktase, das die Milchzuckermoleküle in die Bestandteile Glukose und Galaktose aufspaltet. Deshalb gelangt Milchzucker in den Dickdarm, wo er von bestimmten Darmbakterien verstoffwechselt wird. Dabei entstehen kurzkettige Fettsäuren und Gase, unter anderem Wasserstoff (H2), der mit dem H2-Atemtest gemessen werden kann.

Bei einer Fruktosemalabsorption steht das Transportprotein GLUT 5 nicht in ausreichender Menge zur Verfügung, das zur Aufnahme des Fruchtzuckers durch die Dünndarmschleimhaut ins Blut erforderlich ist. Die in den Dickdarm gelangenden Fruchtzuckermoleküle werden dort analog zur Laktoseintoleranz von Darmbakterien unter Abgabe von Wasserstoff verarbeitet.

Dieser Wasserstoff gelangt ins Blut, wird über den Atem abgegeben und kann dort mit dem Test gemessen werden.

[Bearbeiten] Fehlinterpretationen des Tests

Fehlinterpretationen des Tests gibt es in seltenen Fällen nur, wenn entweder durch eine Besiedelung mit „falschen“ Bakterien Wasserstoff produziert wird, obwohl die Darmschleimhaut Enzyme bilden kann. Andererseits kann das Ergebnis bei einem geringen Prozentsatz auch verfälscht werden, wenn der Darm mit Bakterien besiedelt ist, die gar keinen Wasserstoff produzieren können. Dann zeigt sich im Atemtest kein Wasserstoff, obwohl kein Enzym zum Abbau oder Transport der Zuckermoleküle im Darm bereitsteht. Diese so genannten „non H2 responder“ (oft kurz „Non Responder“) entlarvt ein zusätzlicher Atemtest mit Laktulose.

Testzucker Dosierung Nachweisbares Syndrom/Messgröße Signifikanter Anstieg
Laktose 50 g Laktoseintoleranz >20ppm nach der 60.Minute
Fruktose 25 g Fruktosemalabsorption >20ppm nach der 60.Minute
Glukose 80 g bakterielle Fehlbesiedlung des Dünndarms Anstieg innerhalb der ersten 30Minuten
Laktulose 10 g Transitzeit vom Mund bis in den Dickdarm (Laktulose wird nicht resorbiert) Erster Anstieg nach der 30.Minute
Sorbit 10 g Sorbitmalabsorption >20ppm nach der 60.Minute

[Bearbeiten] Mögliche Testausgänge

Die Wasserstoff-Zeit-Kurven - nach der Aufnahme eines Kohlenhydrats oder einer anderen Substanz - können nach folgenden Formen verlaufen.

Bild:Wasserstoffatemtest.png

[Bearbeiten] Fall 1: kein Anstieg

Es erfolgt kein Anstieg der H2-Konzentration während des gesamten Tests. Dies weist darauf hin, dass im gesamten Darm die Substanz nicht durch H2-produzierende Bakterien verstoffwechselt wurde. Entweder wurde die Substanz somit vollständig vom Dünndarm resorbiert (keine Malabsorption) oder es sind keine H2-produzierenden Bakterien vorhanden, man spricht hierbei von sogenannten "Non-Respondern". Diese können mittels eines Tests mit Laktulose identifiziert werden, bei ihnen sind weitere H2-Atemtests aussagelos. Bei "Respondern" hingegen ist auf jeden Fall ein Anstieg der H2- Konzentration zu verzeichnen, da Laktulose nicht vom Dünndarm resorbiert wird und somit auf jeden Fall in den Dickdarm gelangt.

[Bearbeiten] Fall 2: H2-Maximum nach der 60. Minute des Tests

Die H2-Konzentration erreicht ihr Maximum erst nach mehr als einer Stunde nach der Aufnahme der Testsubstanz. Daraufhin klingt die Wasserstoffkonzentration wieder ab. Die Ursache dafür ist wahrscheinlich, dass der Dickdarm mit anaeroben Bakterien besiedelt ist, die einen Teil der Testsubstanz in Wasserstoff verwandeln. Ursachen sind beispielsweise Malassimilationen (Fruktosemalabsorption, Laktoseintoleranz, etc.).

[Bearbeiten] Fall 3: H2-Maximum vor der 60. Minunte

Die H2-Konzentration erreicht vor der 60. Minuten ihr Maximum und fällt dann wieder ab. Im Dünndarm wurde die gesamte Testsubstanz entweder vergoren und absorbiert oder nur vergoren. Die Testsubstanz hat den Dickdarm nicht erreicht. Entsprechend verlaufende Kurven können bei allen Kohlenhydrat-Wasserstofftests Anhaltspunkte für eine Dünndarmfehlbesiedlung geben. Zur Absicherung wird ein Test mit Glukose empfohlen, da diese vollständig im Dünndarm resorbiert wird. Erfolgt beim Glukose-Wasserstofftest ein Anstieg der ppm-Konzentration gilt die Diagnose Dünndarmfehlbesiedlung als gesichert.

[Bearbeiten] Fall 4: „Doppelspitze“

Die H2-Konzentration erreicht, sowohl vor als auch nach der ersten Stunde nach Trinken der Kohlenhydratlösung, ein Maximum. Daraufhin klingt die Wasserstoffkonzentration im Atem wieder ab. Bereits im Dünndarm und anschließend im Dickdarm wurde das Substrat von Bakterien zu Wasserstoff vergoren. Eine solche "Doppelspitze" der Wasserstoffkonzentration zeigt das gleichzeitige Auftreten einer Dünndarmfehlbesiedlung und einer Unverträglichkeit auf das entsprechende Kohlenhydrat (Malassimilation) an.


[Bearbeiten] Literatur

[Bearbeiten] Weblinks

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